Geschlechtsspezifische gewalt in ländlichen gebieten im lichte einer nachhaltigen sozialen entwicklung
Adaptiert nach Vintere, A., Castellani, A., Ahrens, A., Zascerinska, J. (2026). Key Competencies for Rewriting the Narrative on Gender-Based Violence in Rural Areas for Sustainable Social Development. The Annual 32 International Scientific Conference "Research for Rural Development" at Latvia University of Life Sciences and Technology, Jelgava, Latvia. 13-14 May 2026.
Eine nachhaltige soziale Entwicklung in den Ländern der Europäischen Union steht im Mittelpunkt der EU-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (EUR-Lex, 2021).
Nachhaltige soziale Entwicklung bedeutet eine widerstandsfähige Gesellschaft sowie attraktive Orte zum Leben und Arbeiten (Europäische Kommission, Regional- und Stadtpolitik, 2026). Insbesondere konzentriert sich die Europäische Union auf die Umsetzung einer „Langfristigen Vision für die ländlichen Gebiete“ bis zum Jahr 2040, mit dem Ziel, diese stärker, vernetzter, widerstandsfähiger und wohlhabender zu gestalten (Europäische Union, 2021).
Die Beschleunigung der nachhaltigen sozialen Entwicklung in den Ländern der Europäischen Union erfordert, dass jegliche Form der Diskriminierung von Frauen – einschließlich geschlechtsspezifischer Gewalt – beendet wird (Eurostat, 2024).
Gewalt gegen Frauen ist eine der am weitesten verbreiteten Erscheinungsformen geschlechtsspezifischer Ungleichheit und stellt ein wesentliches Hindernis für eine nachhaltige soziale Entwicklung dar, insbesondere in ländlichen Kontexten. So gaben beispielsweise etwa 27,3 % der in ländlichen Gebieten lebenden Frauen an, körperliche oder sexuelle Gewalt – einschließlich Drohungen – erfahren zu haben (Eurostat, 2024). Obwohl Gewalt gegen Frauen weithin als systemisches Problem der Menschenrechte und der öffentlichen Gesundheit anerkannt ist, berücksichtigt die öffentliche Berichterstattung häufig nicht hinreichend die kontextspezifischen Risikofaktoren. Die heutige Medienlandschaft reproduziert oft das sogenannte „verzerrte Narrativ“, in dem die Erfahrungen der Opfer verharmlost werden, während die Handlungen der Täter gerechtfertigt oder sogar romantisiert werden – etwa durch die Verwendung von Bezeichnungen wie „Verbrechen aus Leidenschaft“ (Carll, 2003; Sutherland et al., 2015). Diese Tendenzen sind in ländlichen Gebieten besonders ausgeprägt; dort verstärken kleine Gemeinschaften, eingeschränkte Anonymität, wirtschaftliche Abhängigkeit sowie die allgegenwärtige digitale Überwachung die potenziellen negativen Folgen der öffentlichen Kommunikation erheblich. Zu diesen negativen Folgen zählt die Beeinträchtigung der Teilhabe der von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffenen Personen am Arbeitsmarkt und an der Gesellschaft (Ahrens et al., 2025) und folglich auch der Nachhaltigkeit der sozialen Entwicklung. Es ist anzumerken, dass mit „betroffenen Personen“ sowohl die Opfer bzw. Überlebenden als auch die Täter gemeint sind. Die negativen Auswirkungen geschlechtsspezifischer Gewalt betreffen (Europäische Kommission, Regional- und Stadtpolitik, 2026):
- Die Belastung lokaler Dienstleistungen:
Erhöhter Druck durch zugewanderte Personen;
Begrenzte finanzielle Kapazitäten der Kommunen; und
- Unterfinanzierte Dienstleistungsangebote; Wirtschaftliche Verwerfungen:
Handelsprobleme,
Mangelnde Investitionen,
Stagnation der Wohnungsmärkte,
Belastungen für KMU und Lieferketten.
- Demografischer Wandel:
Abwanderung der Bevölkerung,
Überalterung der Gesellschaft, sowie
Fachkräftemangel in Schlüsselbereichen wie Gesundheitswesen und Bildung.
References
EUR-Lex. (2021). Sustainable development goals. https://eur-lex.europa.eu/EN/legal-content/glossary/sustainable-development-goals.html
European Union. (2021). Rural Vision. https://rural-vision.europa.eu/index_en
Eurostat. (2024). SDG 5 - Gender equality. https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/SEPDF/cache/63333.pdf
Carll, E. K. (2003). News Portrayal of Violence and Women: Implications for Public Policy: Implications for Public Policy. American Behavioral Scientist, 46(12), 1601-1610. https://doi.org/10.1177/0002764203254616
Sutherland, G., McCormack, A., Pirkis, J., Easteal, P., Holland, K., & Vaughan, C. (2015). Media representations of violence against women and their children: State of knowledge paper. Landscape Issue 15/2015. ANROWS.
Ahrens, A., Zascerinska, J., Huliaieva, L., Oliinyk, A., Yilmaz, A., Avanoglu, S., Slawek, M., Szostkiewicz, M., Cavagnetto, S., Rivera, L., Gladysh, M., Isayeva, N. (2025). Labour Market in Host Countries for Employment of Migrant Women from Ukraine. 13th Annual International Conference "Science and Education in Globalization" (SCEDU’2025). Panevėžio kolegija / State Higher Education Institution, Lithuania. 23-24 October 2025 (submitted for publication).
Ahrens, A., Zascerinska, J., & Macovei, I. (2022). EU Youth Beliefs in Gender Based Discrimination, Sexual Harassment and Sexual Assault. Education. Innovation. Diversity, 2(5),47-57. DOI:https://doi.org/10.17770/eid2022.2.6963
European Commission Regional and Urban Policy (18 February 2026). Communication on EU's Eastern Regions Bordering Russia, Belarus and Ukraine. Strong regions for a safe Europe. February 2026. https://ec.europa.eu/commission/presscorner/api/files/attachment/882287/Factsheet_EBR.pdf